Geschichte des Alten Kraftwerks

Das Hydraulikgebäude entstand im Zuge der nördlichen Hafenerweiterung in der Zeit von 1892 bis 1897, weil die größeren Schleusenanlagen nicht mehr manuell bedient werden konnten. Die Maschinenanlage lieferte die hydraulische Kraft zum Antrieb der Schleusenanlagen, Pumpen, Spille und der Rollbrücke, die über die zugeschüttete Kaiserschleuse 1 führte. In den Türmen des Gebäudes hingen die schweren Gegengewichte, die für den erforderlichen Druck in den Rohrleitungen sorgten.

HydraulikkranDer noch erhaltene Drehscheibenkran von 30 t Tragkraft, der zum Löschen und Laden einzelner schwerer Frachtstücke sowie zum Bewegen größerer Ausrüstungsgegenstände für die Schiffe erforderlich war, wurde ebenfalls mit Druckwasser vom Kraftwerk betrieben. In dem Gebäude nördlich der kleinen Kaiserschleuse galt die Beleuchtung als besonders fortschrittlich. Der Strom für die Bogenlampen wurde von zwei Wechselstromgeneratoren, die von zwei Dampfmaschinen angetrieben wurden, erzeugt.

Das Hydraulikgebäude diente nur kurze Zeit seinem vorgesehenen Zweck, denn der weitere Ausbau der Hafenanlagen erforderte leistungsfähige Maschinenanlagen, so dass ein neues Maschinenhaus in südlicher Nachbarschaft erbaut werden musste. Das neue Kraftwerk, ein gleichfalls imposanter Bau, der den Blick auf das Hydraulikgebäude weitgehend verstellte, wurde 1984 abgerissen. Aus dem alten Gebäude wurden 1910 die Hydraulikstempel entfernt, und das Gebäude wurde zur Reparatur für den Maschinen- und Elektrobetrieb umgebaut. Um die notwendigen Sozialräume zu schaffen, musste ein Erweiterungsbau dem alten Gebäudekomplex angegliedert werden. Das Hydraulikgebäude gehört zu den wenigen bemerkenswerten technischen Denkmälern in Bremerhaven. Im Jahre 1984 wurde das alte Kraftwerk in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen.

Auf seine ursprüngliche Funktion weist im Innern des Gebäudes nichts mehr hin. Kaum zehn Jahre nach der Inbetriebnahme im Jahre 1897 wurden alle Antriebsmaschinen wieder demontiert. Bis in die 1980er Jahre diente das Haus lediglich als Werkstattgebäude, schließlich verlor es auch noch die letzte Funktion. Das neue Kraftwerk wurde 1988/89 abgerissen.

Der Förderverein Deutsches Auswanderermuseum e.V. bemühte sich um den Erhalt des Gebäudes mit der Absicht, hier ein geplantes Auswanderermuseum einzurichten. Auf Initiative des Vereins konnte 1990 in einem ersten Schritt die Außensanierung des Gebäudes vorgenommen werden. Aus unterschiedlichen Gründen kam es im Anschluss jedoch nicht zu einer musealen Nutzung.

Unser Förderverein ergriff daher 1995 die Initiative, die Innensanierung des Hauses voranzubringen, um es anschließend einer gemeinnützigen Verwendung zuzuführen. Das zum Besitz der Stadt Bremen gehörende Gebäude soll demnächst verkauft werden. Inwieweit der Förderverein Maritimer Denkmalschutz in die zukünftige Nutzung und Erhalt des Gebäudes noch eingebunden ist müssen wir abwarten. Das gleiche gilt auch für den Druckwasserdrehkran, der zusammen mit dem Alten Kraftwerk eine Einheit ist. Seit Januar 2012 ist der Förderverein "Maritimer Denkmalschutz e.V." nicht mehr zuständig für Altes Kraftwerk und Druckwasser-Drehkran. Ansprechpartner ist zukünftig nur noch die Hafengesellschaft bremenports GmbH & Co. KG.

Fotos: Gottfried Hilgerdenaar, Rolf Pilz, Manfred Schüler, Graphik: Alexander Cordes.

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